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Kinderarmut steigt in Deutschland ...
Veröffentlicht am 22.03.2005

UNICEF: Kinderarmut steigt in Deutschland ...
.... und das auch noch stärker als in den meisten anderen Industrienationen. Dies besagt eine aktuelle Studie der UNICEF, in der 24 Länder miteinander verglichen wurden.
Demnach ist die Kinderarmut in Deutschland seit 1990 um 2,7 Prozent gestiegen - damit liegt Deutschland auf Platz 18 von 24 Industriestaaten. Dagegen wurden die Armutsquoten zum Beispiel in Großbritannien und den USA gesenkt; diese Länder haben allerdings auch eine weit höhere Armutsquote als Deutschland.
Mit einer Kinderarmutsquote von 10,2 Prozent steht Deutschland im Mittelfeld auf Platz 12. Gemessen wird hier die relative Einkommensarmut (50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens). Das bedeutet für eine Alleinerziehende mit einem Kind weniger 1.088 Euro pro Monat, für ein Paar mit zwei Kindern weniger als 1.958 Euro.
WAS SIND DIE GRÜNDE FÜR DIESEN ANSTIEG?
UNICEF macht drei Schlüsselfaktoren aus: Sozialpolitik, soziale Trends und Arbeitsmarkt.
Sozialpolitik:
Wenn Staaten mehr für Sozialleistungen ausgeben, dann ist die Kinderarmut auch deutlich geringer. So hat Schweden zum Beispiel eine ähnliche Situation wie Deutschland: ohne staatliche Hilfen wäre die Kinderarmut wie in Deutschland bei 18 Prozent. Trotzdem schafft es die schwedische Sozialpolitik, Kinderarmut auf nur 3,4 Prozent zu senken.
In Deutschland steigen zwar die Sozialausgaben seit den neunziger Jahren, aber die meisten zusätzlichen Ausgaben sind in Altersrenten und in das Gesundheitssystem geflossen. Außerdem ist wichtig, wie die Gelder verwendet werden: Länder mit einer geringen Kinderarmut investieren mehr Geld in ein breites System sozialer Unterstützung (z.B. Frankreich), von dem dann auch Kinder profitieren. Länder mit einer höheren Kinderarmut versuchen eher direkt und gezielt Familien mit kleinen Kindern und geringem Einkommen zu unterstützen (z.B. Großbritannien). Laut UNICEF besteht so die Gefahr, dass diese Unterstützungszahlungen die Eigeninitiative der Familien lähmen, sie keine Arbeit finden und in der Armutsfalle bleiben.
Soziale Trends:
Es gibt zwar weniger Kinder in Deutschland, und dennoch steigt die Kinderarmut. Dies liegt unter anderem daran, dass es mehr Alleinerziehende gibt: fast 40 Prozent der Alleinerziehenden sind arm, aber nur 3 Prozent der Paare mit Kindern.
Bei Kindern aus Zuwandererfamilien verdreifachte sich sogar die Armutsquote von fünf auf 15 Prozent. Je länger Kinder allerdings in Deutschland leben, um so geringer ist allerdings das Armutsrisiko.
Arbeitsmarkt:
Mütter sind heute besser ausgebildet als früher und sie arbeiten häufiger. Aber die unteren Einkommen der Väter sind in den 90er Jahren deutlich um 22,7 Prozent gesunken.
WAS MUSS GETAN WERDEN?
Der UNICEF Bericht enthält klare Empfehlungen:
1. Die Haushalts- und Gesundheitspolitik muss an den Bedürfnissen von Kinder ausgerichtet werden.
2. Kinderarmut muss definiert und kontrolliert werden. Allerdings sollte Armut nicht nur am Einkommen gemessen werden, sonder es müssen auch Messweisen z.B. für Ausgrenzung bei Bildung und Gesundheitsfürsorge erstellt werden.
3. Es müssen klare Ziele für die Reduzierung von Kinderarmut fest gesetzt werden.
Eine gute, verständliche Zusammenfassung der Studie „Kinderarmut in reichen Staaten 2005“ findet sich unter dem unten stehenden Link.
Mehr Infos:
Bericht als PDF
www.unicef.de