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Pressetext zum Aktionstag

Veröffentlicht am 14.09.2005

Ich sehe, was Du nicht siehst: Arme Kinder sind unter uns!

Aktionstag des Jugendrotkreuzes in Bad Münstereifel will auf ein wachsendes Problem aufmerksam machen

Jugendliche mussten sich exemplarisch einen Tag lang ohne Geld durchschlagen und dabei 20 Kilometer zurücklegen. Der Euskirchener Rotkreuzverband "setzte" 350 Teilnehmer aus dem ganzen Rheinland in den Münstereifeler "Highlands" aus.


Bad Münstereifel/Euskirchen - Sie tragen keine Markenklamotten, sagen sie seien krank, wenn es auf Klassenfahrt geht, und lügen das Blaue vom Himmel herab, wenn die Lehrerin nach den Sommerferien fragt, wo denn die Familie in Urlaub war.

"Arme Kinder werden gemobbt. Sie verstecken sich und man muss schon genau hinsehen und entsprechend sensibilisiert sein, wenn man ihnen helfen will. Denn es gibt viele arme Kinder im Land.", sagt Carsten Müntjes, der Landesleiter des Jugendrotkreuzes. Und: "Das Problem wächst. Armut äußerst sich in der Bundesrepublik natürlich anders als in einem Drittweltland."

Deshalb hat die Jugendorganisation des Deutschen Roten Kreuzes 2005 und 2006 auch bundesweit eine Aktion ausgerufen, die auf die ganz speziellen Probleme armer Kinder und Jugendlicher aufmerksam machen soll. Motto: "Ich sehe was, was du nicht siehst. Armut: Schau nicht weg." Schirmherr ist DRK-Präsident Rudolf Seiters.

"In erster Linie geht es darum, auf das Problem aufmerksam zu machen, die Politiker zu mobilisieren, eine Lobby für arme Menschen zu schaffen", so Müntjes. Dazu gibt es eine umfangreiche und professionell gemachte Fotoausstellung, in der das Schicksal armer Kinder in Deutschland dokumentiert wird. Die Ausstellung startete zum Jahresbeginn in Berlin und ist zurzeit im Haus des Jugendrotkreuzes in Bad Münstereifel zu sehen.

Am Wochenende nun waren 350 der insgesamt 7500 Jugendrotkreuzler im Landesverband Nordrhein in die Bildungsstätte des Jugendrotkreuzes in Bad Münstereifel zum Aktionstag "Armut: Schau nicht weg!" eingeladen. Mit Hilfe des Rotkreuz-Kreisverbandes Euskirchen war für sie eine besonders abenteuerliche und öffentlichkeitswirksame Aktion vorbereitet worden.

Kreisgeschäftsführer Rolf Zimmermann: "Wir haben die Teilnehmer in 33 Gruppen im Morgengrauen ringsum in der Eifel abgesetzt. Dabei hatten sie pro Person einen Apfel und einen Müsliriegel, dazu pro Gruppe anderthalb Liter Wasser und 50 Cent zum Telefonieren, falls was passiert wäre." Carsten Müntjes: "Die Absetzpunkte waren durch die Bank 20 Kilometer vom Haus des Jugendrotkreuzes entfernt." Ziel der Übung war es nicht nur, alleine zurückzufinden, sondern unterwegs auch möglichst viel Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zum Thema Kinderarmut in Deutschland zu erzeugen.

"Unterwegs erlebten die Kinder jede Menge Hilfsbereitschaft der Eifeler Bevölkerung", berichtete Organisationsleiter Helmut Püschel nachher: "Manche wurden ein Stück gefahren, zum Frühstück eingeladen, als die Leute hörten, dass sie noch nichts gegessen hatten, eine Gruppe "überfiel" eine Tankstelle, bot ihre Mitarbeit an und wurde dafür mit einem ansehnlichen Vorrat an Trinkflaschen belohnt."

"Ziel war es aber nicht nur, das eigene Improvisationstalent und die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu testen", so Rotkreuz-Chef Rolf Zimmermann. Vor allem ging es darum, ein Petitionsschreiben des Jugendrotkreuzes zu verbreiten. Darin heißt es unter anderem: "Obwohl es in Deutschland viel Luxus gibt, ist Kinderarmut eine bittere Realität. Viele Kinder und Jugendliche gehen morgens ohne Schulbrot aus dem Haus und viele bekommen keine warme Mahlzeit. Da sie auch oft kein oder kaum Taschengeld bekommen, sind sie von vielen Aktionen ihrer Altersgenossen ausgeschlossen. Auf der anderen Seite wird in den Medien suggeriert, dass Geld der Schlüssel zur Freizeitgestaltung und zu einem glücklichen und erfolgreichen Leben ist."

JRK-Landesleiter Carsten Müntjes sagte am Samstag vor Medienvertretern: "Wir reden aber nicht nur über Kinderarmut in Deutschland, wir tun auch was dagegen." Sämtliche Aktionen, Kurse und Lehrgänge des Jugendrotkreuzes - auch im Kreis Euskirchen - sind für die jugendlichen Mitglieder frei. Es wird nicht einmal ein Mitgliedsbeitrag erhoben. Mitglied im Jugendrotkreuz kann man vom sechsten bis zum 25. Lebensjahr sein - ehrenamtliche Führungskräfte bleiben in der Regel auch länger.

Mit freundlicher Genehmigung der ProfiPress, Agentur für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Schoßbachstraße 3, 53894 Mechernich.

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