2001 – 2002: Fit4Life – Stoppt die Gewalt

„Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ – so hieß das Thema, das uns in den Jahren 2001 und 2002 durch unsere Seminare, Aktionen und Veranstaltungen hindurch begleitete. Wir mussten in dieser Zeit – nicht zuletzt durch Ereignisse wie dem 11.September 2001 oder dem Amoklauf eines Schülers in Erfurt – erkennen wie wichtig und aktuell dieses Thema leider ist.

Was bleibt im Rückblick übrig von unseren Aktionen und Materialien? Wir möchten hier einige Highlights vorstellen.

Der JRK-Anti-Gewalt-Koffer

Das Anti-Gewalt-Koffer-Team mit den Identifikationsfiguren Paul und Paula. Foto: Axel Beck

Der Anti-Gewalt-Koffer beinhaltet Materialien und Anregungen zur Vermittlung des Themas. Wir haben ihn damals eigens für das Jahresthema zusammengestellt und verleihen ihn weiterhin an interessierte JRK-Gruppen.

Konzept des Koffers
Paul und Paula sind die kindgerechten Identifikationsfiguren des Anti-Gewalt-Koffers. Sie sind im ganzen Landesverband Nordrhein und darüber hinaus bekannt und stehen für den Einsatz des Jugendrotkreuzes gegen Gewalt im weitesten Sinne und für die wichtigen Lernerfahrungen, die Kids in einer Gruppe des JRK sammeln. Dort ist der Raum, um soziales Verhalten zu trainieren, in einem geschützten Raum seine eigenen Gefühle zu erkunden, Grenzen auszutesten und zu lernen, andere Menschen zu respektieren.

Ausleihmodus
Der Koffer kann – nach vorheriger Absprache Bestellung – im Landesverband persönlich abgeholt werden.

Modellfunktion
Der Koffer hat Modellfunktion – optimal wäre es, für die eigene JRK-Gruppe oder den Kreisverband einen eigenen Koffer zusammenzustellen. Unser Koffer will Anregungen zur Gewaltprävention bieten. Natürlich wird jeder Kreisverband, jede Gruppe ihre spezifischen Inhalte entwickeln wollen. Deshalb können die Ausleiher im Koffertagebuch ihre Anregungen, Erfahrungen und Wünsche hinterlassen.

Details zum Download 

Der Tina & Albert – Schreibwettbewerb

zum Jahresthema 2001/2002 „Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ lief von Mai bis Dezember 2001. Monatlich konnten alle JRK Kindergruppen Ihre Fortsetzung einreichen, die beste wurde von uns veröffentlicht. Vielen Dank an alle Gruppen, die sich daran beteiligt haben!

Wir möchten hier nun die komplette Geschichte in einem Stück veröffentlichen – als Rückblick auf unser Jahresthema und vielleicht als Anregung, das Thema Gewalt auch in Zukunft noch einmal in der Arbeit mit Eurer JRK-Kindergruppe aufzugreifen. Hier könnt ihr die Tina & Albert - Geschichte als PDF herunterladen.

Gedanken zu den Kampagnen-Plakaten

Der Aachener Künstler Detlef Kellermann hat für das JRK drei Plakate zum Jahresthema „Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ entworfen. Kellermann, 1957 in Hildesheim geboren, ist ein versierter Geschichtenerzähler und Meister der Pointe. Viele Jahre hat er als erfolgreicher Illustrator gearbeitet. Kellermänner können uns in mehr als vierzig renommierten Zeitschriften und auf zahlreichen Buchcovern begegnen.

Die drei ausgesuchten Motive unserer Plakatserie eignen sich u.a. für den Schulunterricht und dort vielleicht sogar für eine eigene Interpretationsstunde oder einen Aufsatz. Wir vom JRK haben mehr als eine Interpretation. Viele Betrachter assoziieren spontan ihre eigenen Bilder und Erfahrungen mit den drei Motiven. Manchmal gibt es aber auch Fragen, zum Beispiel, warum wir so eine Art  „Monster“ auf einem Plakatmotiv haben. Es gibt viele Facetten von Gewalt, alle konnten wir nicht auf den Plakaten darstellen. Aber auch diese drei Motive haben es in sich. Man muss sich nur mit Ihnen auseinandersetzen, dann wandelt sich oft der erste Eindruck. Was wir zeigen wollen, ist auf jeden Fall, dass es Möglichkeiten gibt, sich zu wehren und aktiv einzugreifen. 

Albtraum  
Das Szenario: Ein dunkler, bedrohlich wirkender Raum mit hohen Wänden, die wie auf einer Schultafel über und über mit Zeichnungen bekritzelt sind.

Zwischen Bruchrechnungen und einer algebraischen Aufgabe ist eine Vergewaltigungsszene und die Darstellung einer Kindesmisshandlung durch einen Erwachsenen zu erkennen.

Unten, in der Mitte, hat sich eine Tür geöffnet, durch die helles, sonniges Licht ins Dunkel kommt. Ein kleiner Junge betritt den Raum. Erschrocken registriert er die ungeheuerliche Umgebung und versucht Halt an der Türkante zu finden. Ist er in einem Klassenzimmer, in einer phantastischen Folterkammer oder in einem Albtraum gelandet? – Auf jeden Fall bringt er Licht ins Dunkel und damit einen Hoffnungsschimmer…

Amazone
Ein tanzendes Mädchen, die Lippen so herzig rot wie der Pullover, betritt die Szene. Alles andere als mädchenhaft verbannt diese wilde Amazone schon durch ihre Körperhaltung die bösen Geister, die überall im Hintergrund lauern.

Eine Armee Schwerter schwingender Gestalten marschiert auf den Betrachter zu. Es sind seelenlose Fratzen mit toten Augen, Vampir- und Haifischzähnen, umgeben von Totenschädeln und Gebein.

Nur in Strichen angedeutet, stehen sie für Angst- und Gewaltphantasien, denen das mutige Mädchen den Garaus macht. Symbolisch bricht sie mit einer Lanze den Stab über die Gewalt.

Amok
Eine Art weißes Gespenst, dessen gesichtsloses Antlitz nur durch zwei Augenschlitze charakterisiert ist, dominiert den Raum. Dieses unbeweglich und kompakt dastehende Wesen hat keinen kindlichen, keinen menschlichen Ausdruck. Der fehlende Mund verweist auf Sprachlosigkeit und auf die Unfähigkeit zu kommunizieren und spontan mit anderen in Kontakt zu treten.

Im Hintergrund sieht man die weißen Silhouetten der bisherigen – oder künftigen – Opfer dieses Kraftpakets: Die kleinen Jungen und Mädchen sind in der Körpermitte mit einer roten Zielscheibe versehen, beinahe schon vorbereitet für einen Amokläufer. Das Monster, eine Knarre in der Linken, hat ihnen den Rücken gekehrt und stellt sich dem Betrachter. Ist es wirklich eine Bedrohung oder klagt es (auch) an? Die Waffe jedenfalls ist noch nicht schussbereit und liegt schlaff in seiner Hand. Die Unbeweglichkeit seines Körpers kann auch Zeichen einer Depression sein, vielleicht ist dieser Täter zugleich ein Opfer seiner Umwelt?