[Weltwärts] This is Uganda!

Sabrina Konzok arbeitet im Rahmen des Projekts "Weltwärts" für ein Jahr beim Ugandischen Roten Kreuz. Hier berichtet sie von ihren ersten Erfahrungen und Erlebnissen in Afrika.


„This is Uganda!“ Diesen Satz habe ich in den letzten 3 Monaten sehr oft zu hören bekommen. Hier in Uganda wird er immer verwendet, um mir mit meinem ungläubigen Blick zu erklären, warum eine Angelegenheit hier so und nicht anders gehandhabt wird. Das erste Mal habe ich ihn bereits in meiner ersten Stunde auf ugandischem Boden gehört, als das Gepäck von ungefähr 20 Menschen in einen Kleinbus gestapelt wurde und danach auch noch die Menschen dazukamen. Das ist eine Sache, die mich in Uganda fasziniert: Die Menschen hier sind Transportkünstler. Es werden sogar Kälber auf einem Boda-Boda (Motorrädern) transportiert. Manchmal jedoch wird dieser Satz auch als Entschuldigung verwendet, zum Beispiel wenn man mal wieder stundenlang irgendwo auf irgendwas oder irgendwen warten muss.

Dieses Phänomen wird hier auch „African Time“ genannt. Das und gelegentliche uns Deutschen sehr fremde Langsamkeit beim Arbeiten oder Organisieren ist eigentlich das Einzige, was mir meine Arbeit bei dem Ugandischen Roten Kreuz in Mbale erschwert. Von diesen kleinen „challenges“ wie man hier so schön sagt einmal abgesehen, ist die Arbeit hier sehr angenehm. Mit unserem Branch Coordinator kann man sich nur gut verstehen und auch meine Kollegen sind alle sehr freundlich und helfen gerne weiter, wenn man mal etwas nicht versteht oder Hilfe beim Einkaufen braucht, um nicht Opfer des „Mzungu Price“ zu werden, da man hier als Weißer oft mal um das Doppelte oder Dreifache des Preises betrogen wird.

Hier gibt es eigentlich immer etwas zu tun und ich habe schon in viele verschiedene Aufgabenbereiche einen Einblick bekommen. Dazu gehört zum Beispiel „Dissemination“, bei der wir in Schulen gehen und den Schülern etwas über das Rote Kreuz erzählen. Dabei erzählen wir oft auch etwas über „Road Safety“, was hier in Uganda bei den schlechten Straßen, den überladenen Autos und der Geschwindigkeit der Fahrzeuge wirklich von Nöten ist. Außerdem geben wir bei Festen oft Erste Hilfe oder ich gehe mit dem Blutspendeteam mit und helfe bei der Blutspende mit, was hier etwas unhygienischer vor sich geht als bei uns in Deutschland.

Eine sehr tolle Erfahrung war die Verteilung von Polio Schluckimpfungen, ein Projekt, das von der Regierung gefördert wird. Dabei sind wir wirklich von Haus zu Haus gelaufen und haben jedem Kind von 0-5 Jahren zwei pinke Tropfen in den Mund gegeben. Auch wenn manche Kinder nicht wirklich wollten, hatte ich das Gefühl, dass die Arbeit und Hilfe direkt bei denen ankommt, die es brauchen. Eine andere großartige Erfahrung und bis jetzt auch die Schönste was meine Arbeit betrifft war das Verteilen von Hilfsgütern an Überschwemmungsopfer in der Nähe von Kumi. Dabei habe ich einen Einblick bekommen, wie hier mit Katastrophen umgegangen wird. Dazu gehört zum Beispiel, dass man auf den Lastwagen für die Hilfsgüter erst einmal ein paar Tage warten muss, wo wir wieder bei der „African Time“ wären. Als es dann aber endlich los ging war alles gut organisiert und die Verteilung von Decken, Kochsets, Seife und Moskitonetzen ging reibungslos von statten. Allerdings wurde mir etwas mulmig, als gegen Ende die Hilfsgüter immer weniger wurden und die Menschen einen immer engeren Kreis um uns schlossen. Trotz Polizeischutz ist es nicht wirklich gelungen die Ordnung in den letzten Minuten beizubehalten und wir haben uns in Richtung Auto geflüchtet. Das war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis für mich.

Die Idee für ein Projekt für die nächsten Monate hatte ich bei einem Youth Camp in Iganga. Dort habe ich mit Mädchen und jungen Frauen über Pubertät und Geschlechtskrankheiten geredet und mir ist klar geworden, wie wenig hier darüber geredet wird. Es sind zwar in jeder Schule Plakate oder Schilder zu sehen, auf denen „Use a Condom“ zu lesen ist. Aber wie diese benutzt werden oder dass sie nicht nur gegen Aids, sonder auch gegen hier sehr stark verbreitete Geschlechtskrankheiten schützen, wissen hier nicht sehr viele. Deswegen möchte ich in Schulen gehen und mit den Mädchen oder jungen Frauen über genau diese Themen reden. Außerdem habe ich gelernt, dass bei solchen Themen in Uganda die Geschlechter nicht getrennt werden, was ich für nicht sehr hilfreich halte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mädchen viel offener waren bevor die Jungs wieder zu uns gestoßen sind. Das werde ich versuchen hier zu ändern.

Was das alltägliche Leben außerhalb der Arbeit betrifft, so habe ich mich daran gewöhnt, dass man auf Grund der Hautfarbe einfach überall und immer im Mittelpunkt steht. Das kann sehr anstrengend sein. Vor allem, wenn jedes Kind auf den Heimweg – und in Uganda gibt es unglaublich viele Kinder – „Mzungu bye“ (Weißer tschüss) ruft und darauf natürlich eine Antwort erwartet. Auch der Anblick einer joggenden Deutschen erntet oft schallendes Gelächter. Ebenso wie meine Spaziergänge mit Hündin Maleika, bei denen mir von Anfang bis Ende oft 4 oder mehr Kinder hinterherlaufen.

An all das habe ich mich noch immer nicht ganz gewöhnt, aber ich habe akzeptiert, dass das hier dazu gehört, wenn ich meine deutschen Gewohnheiten nicht ganz ablegen möchte. Ablegen möchte ich diese Kleinigkeiten nicht, weil ich gelernt habe, dass sie zu mir gehören und meine Ruhepole in all der Hektik um mich herum sind. Dafür nehme ich auch gerne das Gelächter hin und wenn man zurücklacht statt es zu ignorieren, macht man oft auch sehr nette Bekanntschaften.

Zwischendurch helfe ich auch bei zwei Norwegern und zwei Niederländerinnen beim CRO, Child Restoration Outreach, mit und spiele dort mit den Straßenkindern. Das ist eine ganz andere Welt und die Geschichten der Kinder sind oft schockierend. Aber auch das ist etwas, was zum Leben hier dazu gehört. Eine positivere Sache, die zum Leben hier dazu gehört, ist, dass man in Uganda die Angewohnheit hat jeden zu grüßen auch wenn man denjenigen nicht kennt. Das gehört hier zu einer guten Erziehung dazu und wird als schlechte Manieren angesehen, wenn man nicht zurückgrüßt. Wenn man in Deutschland jemand unbekanntes grüßt, wird man eher schief angeschaut. Diese Angewohnheit finde ich sehr schön. Außerdem wird immer gefragt wie es einem geht, wie das Leben so ist oder wie der Tag war. Deswegen schließe ich meinen Bericht auf ugandische Art und Weise mit einem kurzen und knappen Resümee:
„How is life?“ – „Life is great!“

Mit warmen Grüßen in das verschneite Deutschland
Sabrina Konzok

Weitere lesenswerte Berichte über ihre Arbeit in Uganda findet ihr
in Sabrinas Blog.

Und hier gibt es alle Infos zum Projekt Weltwärts.